Manchmal reicht ein Schild
Warum "wenig tun" gute Besucherlenkung sein kann – und warum dieses „Wenig“ doch so wichtig ist
Beim Spaziergang im Nationalpark Hunsrück-Hochwald entdeckt man sie an verschiedenen Stellen: ganz einfache Schilder. Eine bedruckte Platte auf zwei Holzpfosten, am Wegesrand in den Boden geschlagen.
Darauf wird erklärt, dass der Weg, der hier abzweigt, für Fahrzeuge gesperrt ist und nicht mehr gepflegt wird. Ziel ist, dass die Natur ihn sich langsam „zurückholt“. Das ist ein wichtiger Bestandteil des Wegeplans im Nationalpark.
Vor der Ausweisung des Schutzgebietes im Jahr 2015 durchzogen zahlreiche Forstwege unsere Wälder. Sie waren notwendig für die Bewirtschaftung und wurden natürlich auch von Spaziergängern und Radfahrern genutzt. Wer zu Fuß unterwegs war, hatte allerdings manchmal das Gefühl, auf breiten „Waldautobahnen“ zu laufen.
Mit diesen sogenannten Wegfall-Wegen passiert im Nationalpark nun etwas sehr Schönes: Aus breiten Wegen werden Pfade. Sie verändern sich jedes Jahr ein bisschen, wachsen weiter zu und lassen unseren Nationalpark langsam wilder werden.
Und genau hier gibt es für mich eine interessante Parallele zu unseren Premium-Wanderwegen. Die Wegfallwege sind zwar meist nicht Bestandteil der vorhandenen Traumschleifen oder des Saar-Hunsrück-Steiges – aber sie zeigen sehr schön ein Prinzip, das wir von guten Wanderwegen kennen: Schmale, naturnahe Pfade bringen Wandernde näher an die Landschaft, sorgen für Abwechslung und vermitteln ein anderes Gefühl von Natur.
Zu Fuß dürfen diese Wege weiterhin genutzt werden – und es lohnt sich, den einen oder anderen Abstecher in die Wildnis zu riskieren. Glucksende Bäche, spektakuläre Felsformationen mitten im Wald, unerwartete Aussichten – so schön ist es im Hunsrück!
Aber genug der Werbung …
Besonders gut gefällt mir, wie Besucherinnen und Besucher auf die Veränderung der Regeln durch den Nationalpark aufmerksam gemacht werden. Die Schilder erklären kurz und verständlich, was hier passiert – und warum. Das ist einerseits nachvollziehbar für Gäste, die zum Wandern kommen und sich über ein Stück mehr Wildnis freuen. Es ist aber auch wichtig für die Menschen, die hier leben und deren vertraute Umgebung sich verändert. Gerade in den ersten Jahren nach der Ausweisung des Nationalparks gab es an dieser Stelle viele Diskussionen: Warum kann man hier und dort nicht mehr fahren wie bisher? Warum werden Wege nicht mehr freigeschnitten? Diese Diskussionen haben sich im Laufe der Jahre deutlich entspannt. Sicher nicht allein wegen dieser kleinen Schilder. Aber auch gute Kommunikation am richtigen Ort kann ihren Teil dazu beitragen.
Und genau darin steckt für mich ein schönes Beispiel für einfache Besucherlenkung:
Es braucht nicht immer ein aufwendiges Leitsystem, eine App oder große Kampagnen. Manchmal reicht es, eine Veränderung dort zu erklären, wo sie stattfindet.
Ganz analog, preiswert, praktisch und vor allem verständlich.
