
Retrospektive: Ein Sommer als Gast
Ich habe in diesem Sommer erstaunlich viel "Tourismus gemacht" – und das nicht nur beruflich. Ich war auf Volksfesten, bin gewandert, habe Städte besucht, bin eingekehrt, habe mich über gute Gastgeber gefreut und über weniger gute geärgert. Ich habe mich über hervorragende Beschilderung gefreut – und mich an anderer Stelle gefragt, wo der Weg eigentlich geblieben ist. Ich habe Niedrigwasser und Brände erlebt und darüber nachgedacht, was das für uns im Tourismus bedeutet.
Alles in allem ein ziemlich guter Querschnitt durch die Themen, die mich antreiben.
Von Volksfest-Kultur und eigenen Maßstäben
Ich war in Regensburg, Würzburg, Augsburg, auf dem Gäubodenvolksfest und auf dem Erlanger Berg. Jedes Fest anders, jedes mit seinem eigenen Charakter. Letztes Wochenende dann München, das vermeintliche Highlight der Volksfestsaison.
Dort hatte ich zunächst durchaus so meine Schwierigkeiten. Was internationalen Gästen hier teilweise als deutsche Festkultur verkauft wird – die ich wirklich liebe, in all ihren Facetten –, fand ich an manchen Stellen ziemlich gruselig. Und gleichzeitig saßen dort Menschen, die offensichtlich glücklich waren. Sie hatten Spaß. Sie wollten genau dieses Erlebnis.
Da musste ich ein bisschen über meine eigene Vorstellung von touristischer Authentizität nachdenken. Vielleicht ist es ganz gut, ab und an mal die eigene Komfortzone zu verlassen und die eigenen Maßstäbe zu überprüfen.
Eine große Überraschung für mich waren übrigens Service und Qualität in den Zelten. In München hätte ich bei diesen Menschenmassen nicht unbedingt damit gerechnet. Hut ab vor den Festwirten und ihren Teams.
Wenn die Realität die Urlaubsidylle einholt
Auch das Niedrigwasser an Rhein und Donau hat mich beschäftigt. Der Klimawandel wird hier erneut erschreckend sichtbar – mit unmittelbaren Folgen für alle.
Im Tourismus spüren das natürlich die Gäste, die dieses „Flusserlebnis“ wollten. Aber es trifft eben auch die Gastronomen, die Kreuzfahrtschiffe, die nicht mehr fahren können, und die kalkulierten Umsätze, die dann am Ende doch nicht erzielt werden.
Die wichtigste Kennzahl im Tourismus
Und noch etwas habe ich in diesem Sommer immer wieder erlebt, worüber wir viel zu wenig sprechen: Tourismus bringt Menschen zusammen.
Auf Festen, in Biergärten, auf Wanderwegen, im Zug, an Tischen. Menschen, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden, kommen miteinander ins Gespräch. Man tauscht Empfehlungen aus, diskutiert über einen Weg, lacht über das Wetter und kommt plötzlich auf ganz andere Themen. Themen, über die der Austausch in unserer Gesellschaft nicht abreißen darf.
Vielleicht ist das keine große touristische Kennzahl. Aber es ist eine der wichtigsten.
Denn am Ende sind es nicht nur die Orte, Angebote und Erlebnisse, die Tourismus ausmachen. Es sind die Begegnungen dazwischen.
